Dieses Werk fühlt sich für mich an, als wäre es nicht einfach entstanden, sondern eher aufgetaucht. Als hätte sich während des Arbeitens plötzlich ein Wesen gezeigt, das schon irgendwo existiert hat. Genau deshalb wollte ich nie nur ein gemaltes Gesicht erschaffen, sondern etwas, das wirklich Präsenz besitzt.
Darum war mir als gelernte Maskenbildnerin auch die Kombination aus Malerei und echter plastischer Maske so wichtig. Die Figur sollte nicht nur wie eine Illusion wirken, sondern tatsächlich aus der Leinwand hervortreten. Fast so, als würde sich das Bild öffnen und etwas daraus geboren werden.
Viele Menschen sagen, dass sie das Gefühl haben, beobachtet zu werden, sobald sie vor dem Werk stehen. Und ehrlich gesagt liebe ich genau das. Für mich funktioniert Kunst am stärksten, wenn sie nicht passiv bleibt, sondern beginnt, mit dem Raum und den Menschen darin zu interagieren.
Die dunkle Umgebung mit diesen violetten Energielinien erinnert mich selbst an kosmische Räume, Nebel oder elektrische Ströme im Universum. Daraus taucht dieses Wesen auf — irgendwo zwischen Ritualmaske, Tiefseeorganismus, Dämon und mythologischer Figur. Aber ich wollte nie, dass es eindeutig wird.
Mich interessiert genau dieser Zwischenzustand.
Nicht ganz schön.
Nicht ganz bedrohlich.
Nicht ganz menschlich.
Die weißen Augen spielen dabei eine große Rolle. Sie wirken fast leer, gleichzeitig aber unglaublich wach. Manche Menschen empfinden sie als unheimlich, andere als traurig oder spirituell. Für mich besitzen sie etwas Traumartiges, fast wie ein Wesen, das aus einer anderen Bewusstseinsebene kommt.
Auch die Hörner und organischen Formen sollten nicht klassisch dämonisch wirken. Ich wollte keine Horrorfigur erschaffen. Trotz allem Fremdartigen besitzt das Wesen etwas Verletzliches und Emotionales. Genau diese Spannung interessiert mich: wenn etwas gleichzeitig verstörend und faszinierend wirkt.
Deshalb heißt das Werk auch „Funky Demon“.
Der Titel nimmt dem Dunklen bewusst etwas von seiner Schwere. Dieses „funky“ bringt plötzlich etwas Spielerisches hinein — fast etwas Popkulturelles oder Verrücktes. Für mich entsteht dadurch eine Mischung aus Unterwelt, Clubästhetik, Gothic, Creature Design und spiritueller Symbolik.
Ich merke generell immer stärker, dass meine Arbeiten sich von der reinen Malerei wegbewegen. Viele Werke wollen irgendwann körperlich werden. Sie wollen aus der Fläche herauswachsen und real im Raum existieren.
Genau deshalb fühlt sich „Funky Demon“ für mich auch weniger wie ein Bild an.
Eher wie ein Wesen.
Wie ein Relikt aus einer unbekannten Mythologie.
Oder vielleicht wie etwas, das direkt aus einem Traum mitgebracht wurde.


