
Dieses Bild hat für mich eine ganz besondere Bedeutung, weil seine Geschichte eigentlich schon vor der ersten Farbe begonnen hat. Die Leinwand selbst wurde von mir aus dem Müll gerettet. Als ich sie gefunden habe, befand sich darauf ein großes Herz – vermutlich einmal ein gemeinsames Hochzeitsbild oder etwas, das für Liebe, Zukunft und Zusammenhalt gestanden hat.
Und genau das hat mich berührt.
Dass etwas, das einmal voller Bedeutung war, irgendwann weggeworfen wurde.
Für mich steckt darin unglaublich viel Menschlichkeit. Beziehungen verändern sich, Menschen gehen auseinander, Erinnerungen verlieren ihren Platz. Aber ich wollte diese Leinwand nicht einfach sterben lassen. Ich wollte ihr ein neues Leben geben.
Deshalb heißt das Werk auch „Vom Müll zur Blume“.
Was früher vielleicht Schmerz oder Verlust war, durfte sich verwandeln. Und genau diese Transformation sieht man im ganzen Bild. Alles wächst, alles wuchert, alles lebt. Die Formen breiten sich fast wie ein eigenes Ökosystem über die Leinwand aus – Pflanzen, Blüten, zellartige Strukturen, organische Wesen und kleine Welten, die ineinanderfließen.
Für mich gibt es in diesem Bild keine klaren Grenzen mehr. Alles geht ineinander über, genau wie im echten Leben. Aus etwas Vergangenem entsteht etwas Neues.
Die starken Grün-, Gelb-, Rosa- und Goldtöne waren mir dabei besonders wichtig, weil sie für mich Fruchtbarkeit, Hoffnung und Regeneration symbolisieren. Das dominante Grün fühlt sich fast an wie eine Kraft, die sich ihren Weg zurück ins Leben bahnt. Viele Formen erinnern gleichzeitig an Samen, Pollen, embryonale Zellen oder mikroskopische Organismen. Für mich ist das wie ein Blick auf den Ursprung des Lebens selbst.
Und obwohl das alte Herz heute nicht mehr sichtbar ist, lebt es trotzdem weiter. Es befindet sich immer noch unter der Oberfläche. Die Strukturen blieben erhalten. Genau das liebe ich an diesem Werk: Die Vergangenheit verschwindet nicht einfach. Sie bleibt ein Teil von allem, was danach entsteht.
Für mich ist dieses Bild deshalb auch eine Metapher für Heilung. Schmerz muss nicht verdrängt werden, um etwas Schönes entstehen zu lassen. Oft entsteht Schönheit gerade aus den zerbrochenen Teilen unseres Lebens.
„Vom Müll zur Blume“ ist für mich deshalb nicht einfach Recycling oder ein übermaltes Bild. Es ist eine Wiederbelebung. Eine zweite Chance.
Und vielleicht auch die Hoffnung, dass selbst aus Dingen, die verloren oder wertlos erscheinen, wieder etwas Lebendiges wachsen kann.
