
Dieses Werk tritt uns frontal entgegen – herausfordernd, unbeirrbar, mit einem Blick, der sich nicht abwenden lässt.
Im Zentrum sitzt eine hybride Gestalt: eine Katze, doch zugleich auch ein Selbstporträt. Nadin Bergemann verwandelt sich hier in eine „Endzeitkatze“ – ein Wesen zwischen Tier, Mensch und Symbolträger einer erschöpften Welt. Eine Mutation.
Der Hintergrund leuchtet in toxischen Grüntönen, durchzogen von gelblichen und aquatischen Schichten. Es ist keine natürliche Landschaft, sondern eine kontaminierte Sphäre: stehendes Wasser, das eher an chemische Brühe als an Leben erinnert. Und doch – inmitten dieser Verseuchung steigen Blasen auf. Schillernd, leicht, fast poetisch. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich ihre Ambivalenz: Diese Blasen sind zugleich Sinnbilder für atomare Explosionen, reduziert auf eine fast kindliche, spielerische Form.
Die Figur selbst wirkt wachsam, beinahe trotzig. Ihr Fell ist detailreich und wild, durchzogen von Flecken und Strukturen, die wie Narben oder Mutationen gelesen werden können. Der Körper ist präsent, verletzlich und zugleich unerschütterlich. Die gelben Augen fixieren den Betrachtenden mit einer Mischung aus Müdigkeit und Widerstand – als hätte dieses Wesen bereits überlebt, was noch bevorsteht.
Der Schriftzug „THIS IS THE END“, in roher, fast grafittihafter Geste über das Bild gesetzt, verstärkt die unmittelbare Dringlichkeit. Doch gerade in seiner scheinbaren Direktheit liegt eine Brechung: Ist es eine Warnung? Eine Feststellung? Oder eine ironische Überhöhung?
Nadin gelingt hier ein bemerkenswerter Balanceakt. Sie nähert sich einem der schwersten denkbaren Themen – dem Dritten Weltkrieg und seinem möglichen Ende – nicht mit Pathos oder dokumentarischer Schwere, sondern mit einer irritierenden Leichtigkeit. Die Bedrohung wird ästhetisch verpackt, fast verspielt, und gerade dadurch umso eindringlicher.
Dieses Werk ist keine dystopische Vision im klassischen Sinne. Es ist vielmehr ein Spiegel unserer Gegenwart, in dem sich Angst, Verdrängung und eine seltsame Form von Humor überlagern. Die „Endzeitkatze“ wird so zur Chronistin einer Welt, die vielleicht schon längst begonnen hat, sich selbst aufzulösen – und die dennoch, in all ihrer Absurdität, weiter existiert.


















