
Dieses Werk fühlt sich für mich an wie ein Blick in einen Moment, bevor aus Materie überhaupt Bewusstsein entsteht. Nichts darin wirkt still oder abgeschlossen. Alles wächst, windet sich weiter, gebiert neue Formen und verschlingt gleichzeitig wieder alte.
Ich hatte beim Malen nie das Gefühl, einfach nur ein Bild zu erschaffen. Eher wie ein organisches System, das sich während des Prozesses selbst entwickelt. Fast so, als würde ich nicht etwas erfinden, sondern etwas sichtbar machen, das bereits existiert.
Genau dieses Spiel zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos begleitet viele meiner Arbeiten. Manche Menschen sehen zuerst Pflanzenstrukturen oder florale Formen darin. Andere erkennen Galaxien, Zellteilungen, embryonale Wesen oder Tiefseeorganismen. Für mich gehört all das zusammen. Der Aufbau einer Zelle, das Wachstum einer Pflanze und die Struktur eines Universums folgen oft denselben Bewegungen.
Mich interessiert dieser Übergang zwischen biologischer Realität, inneren Visionen und etwas Kosmischem. Deshalb verändern sich die Formen beim längeren Betrachten ständig. Nichts bleibt eindeutig.
Besonders wichtig war mir die Bewegung im Bild. Die Spiralen und Linien ziehen den Blick immer weiter hinein, fast wie Strudel oder Portale. Keine Form endet wirklich, alles setzt sich irgendwo anders fort. Genau das entspricht auch meinem Gefühl vom Leben selbst: kein klarer Anfang und kein Ende, sondern ein permanenter Prozess von Wachstum und Transformation.
Manchmal habe ich selbst das Gefühl, dass die Bilder anfangen zu atmen.
Die Farben spielen dabei eine große Rolle. Die intensiven Grün- und Türkistöne erinnern mich an biolumineszente Unterwasserwelten oder an den ersten Moment von Leben. Darüber entstehen wärmere Gold-, Kupfer- und Rosétöne, die für mich fast wie geistige oder spirituelle Energie wirken. Das Licht im Bild sollte dabei nie einfach nur Beleuchtung sein. Ich wollte, dass das Licht selbst wie eine eigene Materie wirkt.
Alles ist nichts.
Und nichts wird wieder alles.
Das zieht sich eigentlich durch mein gesamtes Schaffen. Schönheit und Fremdartigkeit existieren gleichzeitig. Manche Formen wirken zunächst dekorativ oder fast harmonisch, bis man plötzlich Augen, embryonale Strukturen oder hybride Wesen darin entdeckt. Ich mag diesen Moment, wenn etwas gleichzeitig faszinierend und leicht verstörend wirkt.
Denn für mich sollen Bilder nicht nur betrachtet werden.
Sie sollen zurückblicken.
Technisch entstehen meine Arbeiten sehr intuitiv und in vielen Schichten. Linien, Punkte, organische Muster und Strukturen wachsen langsam übereinander. Der Prozess ist fast meditativ. Oft entwickelt sich das Bild dabei selbst weiter und führt mich an Orte, die ich am Anfang noch gar nicht geplant hatte. Vielleicht wirken die Werke deshalb eher entdeckt als konstruiert.
Für mich ist dieses Bild eine Verbindung aus Natur, Mutation, Erinnerung und kosmischer Energie.
Und vielleicht ist genau das der schönste Gedanke daran:
Dass man beim Betrachten irgendwann nicht mehr das Gefühl hat, vor Farbe auf Leinwand zu stehen – sondern direkt in einen Denkprozess der Natur selbst hineinzublicken.
