„Das Auge des Drachen“ von Nadin und Christian

Christian:
Dieses Bild ist für uns nie einfach nur ein Drachenauge gewesen. Schon während des Malprozesses hatte ich das Gefühl, dass da etwas zurückblickt. Zuerst waren es nur Kristalline-Strukturen. Nicht wie ein gemaltes Motiv, sondern eher wie ein eigenes Wesen oder Bewusstsein. Genau das interessiert uns beide an Kunst: Wenn ein Bild beginnt, mehr zu sein als Farbe auf Leinwand.

Das Auge selbst sollte etwas Uraltes in sich tragen. Etwas Wachendes. Etwas, das nicht böse ist, aber unglaublich aufmerksam. Die Pupille wirkt fast wie ein Tor oder ein Abgrund, in den man hineingezogen wird. Je länger man hineinsieht, desto mehr verliert man das Gefühl, nur ein Bild anzusehen.

Nadin:
Für mich fühlt sich dieses Auge an, als würde es Dinge sehen, die wir normalerweise verdrängen. Instinkte, Erinnerungen, Ängste oder innere Kräfte. Deshalb wirkt es auch nicht wie klassische Fantasy. Der Drache steht hier nicht für ein Monster oder ein Märchenwesen, sondern eher für eine uralte Energie, die tief in jedem Menschen existiert.

Viele Menschen empfinden Drachen entweder als zerstörerisch oder beschützend. Für mich ist er beides gleichzeitig. Wie die Natur selbst. Wie das Leben selbst.

Christian:
Die organischen Strukturen rund um das Auge sind typisch für unsere Arbeiten. Mich interessiert diese Mischung aus Haut, Fossil, Kristall, Pflanze und außerirdischem Organismus. Alles soll lebendig wirken, fast so, als würde das Bild atmen. Deshalb ist auch keine einzige Schuppe wirklich statisch. Alles verändert sich, wächst oder bewegt sich innerlich weiter.

Gerade die extreme Nähe war uns wichtig. Man sieht nicht den ganzen Drachen. Nur ein Fragment. Aber genau dadurch wird er größer. Der Betrachter muss sich automatisch mit dem Blick selbst auseinandersetzen.

Wer beobachtet hier eigentlich wen?

Nadin:
Das war auch emotional spannend, weil man irgendwann merkt, dass man selbst plötzlich der Betrachtete wird. Das Bild hält einem fast einen Spiegel hin. Viele Menschen reagieren ganz unterschiedlich darauf. Manche empfinden Ruhe darin, andere Unbehagen oder Ehrfurcht. Genau das lieben wir. Wenn Kunst nicht nur dekorativ ist, sondern etwas im Inneren auslöst.

Christian:
Die Farben spielen dabei eine riesige Rolle. Dieses kalte Türkis, das biolumineszente Grün und die dunklen Tiefen sollten wirken wie etwas zwischen Tiefsee, Mineral und kosmischer Energie. Fast wie ein Leuchten aus einer anderen Welt. Gleichzeitig hat das Bild für mich aber auch etwas Sakrales, fast wie ein modernes Ikonenbild.

Nadin:
Unter all der Präzision steckt trotzdem immer Chaos. Unsere Bilder entstehen nie komplett geplant. Vieles passiert intuitiv. Wir arbeiten sehr stark aus Emotionen, inneren Bildern und Zuständen heraus. Genau deshalb wirken die Oberflächen oft so vibrierend oder lebendig.

Für uns ist „Das Auge des Drachen“ deshalb kein Bild über ein Fantasiewesen.

Es ist ein Bild über Wahrnehmung.
Über Instinkt.
Über das Fremde in uns selbst.

Und vielleicht passiert irgendwann genau das Schönste:
Dass man lange genug hineinsieht und plötzlich merkt, dass das Bild begonnen hat, zurück in einen selbst hineinzublicken.

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