
Dieses Bild ist vor ein paar Jahren ganz spontan während eines Urlaubs in der Steiermark entstanden. Eigentlich war es nur eine schnelle Skizze, ein kurzer Moment, den ich festhalten wollte. Und trotzdem steckt für mich unglaublich viel Wahrheit in diesem Werk.
Die dargestellte Figur ist wieder Nadin. Sie liegt auf dem Sofa in einer Haltung, die auf viele Menschen sofort provozierend oder erotisch wirkt. Genau das fand ich spannend, weil ihre Realität eine vollkommen andere war.
In Wirklichkeit hatte sie starke Kopfschmerzen.
Diese Position war für sie einfach nur bequem – für mich einfach nur erotisch.
Und plötzlich wurde mir bewusst, wie schnell Menschen etwas sexualisieren, obwohl es ursprünglich überhaupt nichts damit zu tun hatte. Genau daraus entstand später auch der Titel „Kopfschmerzen – für dich heute zensiert“.
Die Zensurfläche im Bild ist deshalb für mich fast ironisch gemeint. Nicht weil das Bild wirklich etwas verstecken müsste, sondern weil unsere Gesellschaft ständig glaubt, überall etwas sehen zu müssen. Die eigentliche Frage ist also nicht, warum das Bild zensiert wird – sondern warum Menschen sofort Erotik hineinprojizieren.
Mich interessiert dabei dieser Konflikt zwischen äußerer Wahrnehmung und innerer Realität. Was jemand sieht, sagt oft mehr über den Betrachter aus als über die dargestellte Person selbst.
Auch malerisch wollte ich den Körper deshalb nicht perfekt oder klassisch darstellen. Die Formen wirken weich, die Striche sind stark und doch wieder etwas aufgelöst und daher verletzlich. Der Körper wird hier nicht idealisiert, sondern zeigt einen echten Zustand zwischen Schmerz, Müdigkeit, Intimität und Rückzug.
Im Hintergrund brechen organische Strukturen, Texturen und digitale Fragmente auseinander. Für mich wirkt das fast wie ein Zusammenstoß zwischen emotionaler Realität und moderner Bildkultur. Alles wird heute bewertet, interpretiert, sexualisiert oder digital zerlegt. Dadurch verlieren wir oft den Blick für das eigentlich Menschliche.
Gerade diese Mischung aus Verletzlichkeit und vermeintlicher Sinnlichkeit macht das Werk für mich ehrlich. Es zeigt keinen klassischen Akt und keine Inszenierung. Es zeigt einfach einen echten Moment.
Und vielleicht stellt das Bild am Ende genau eine Frage:
Wie viel von dem, was wir sehen, existiert wirklich im Bild –
und wie viel entsteht erst in unserem eigenen Kopf?
