Endlich wieder ein Kinder-Workshop! Ein Vormittag voller Fantasie, Farbe und Kreativität…

Heute durften wir die 4. Klasse der Volksschule 2 Marchtrenk in unserem Atelier begrüßen. Gemeinsam verbrachten wir einen inspirierenden Tag, an dem die Freude am kreativen Schaffen und viel Musik im Mittelpunkt stand.

Die Kinder tauchten mit großer Begeisterung in die Welt des freien Malens ein, gestalteten eigene kreative Arbeiten und konnten ihrer Fantasie ohne Vorgaben freien Lauf lassen. Mit viel Neugier wurde gebastelt, ausprobiert und experimentiert – jedes Werk entstand auf ganz individuelle Weise.

Ein besonderes Highlight war die Einführung in die Maskenbildnerei durch Nadin Bergemann. Die Kinder erfuhren, wie aus einer Idee Schritt für Schritt eine Maske entsteht, konnten verschiedene Materialien kennenlernen und bekamen einen spannenden Einblick in diesen außergewöhnlichen künstlerischen Bereich.

Es war wunderbar zu erleben, mit wie viel Offenheit, Kreativität und Begeisterung die Schülerinnen und Schüler gearbeitet haben. Das Lachen, die vielen Fragen und die leuchtenden Augen haben diesen Tag für uns zu etwas ganz Besonderem gemacht.

Ein herzliches Dankeschön an die 4. Klasse der Volksschule 2 Marchtrenk und ihre liebe Lehrerin Elisabeth Prinz für den Besuch bei uns. Solche Begegnungen zeigen uns immer wieder, wie wichtig Kunst als Raum für Fantasie, Ausdruck und gemeinsames Erleben ist.

Freiheit im Tun!

Und wer weiß, was sich in Marchtrenk noch alles entwickeln wird.

Vielleicht dürfen wir eines Tages in größere Räumlichkeiten übersiedeln. Vielleicht entsteht wieder ein Verein für Kinderkunst, in dem Kinder im geschütztem Raum regelmäßig malen, gestalten und ihre Kreativität entfalten können. Manchmal beginnen große Ideen mit einem einzigen Vormittag voller Farben, Neugier und Freude. Wir sind gespannt, wohin uns dieser Weg noch führen wird – und freuen uns darauf, gemeinsam mit vielen kleinen und großen Künstlerinnen und Künstlern neue kreative Geschichten wachsen zu lassen. 🌱🎨

Wer macht mit???

„Die Zerissene“

Skulptur von Nadin Bergemann

Mit „Die Zerrissene“ schafft Nadin Bergemann ein Werk von eindringlicher symbolischer Kraft. Mit dieser außergewöhnlichen Wandplastik überschreitet Nadin Bergemann bewusst die Grenzen zwischen Malerei, Skulptur und Maskenkunst. Das Werk ist weder Porträt noch Maske im klassischen Sinn – es ist eine plastische Erzählung über die Dualität des Menschseins, über jene Kräfte, die in jedem Menschen gleichzeitig wohnen: Zerstörung und Heilung, Wildheit und Sanftmut, Angst und Hoffnung.

Die geteilte Gestalt bildet das Zentrum der Komposition. Auf der linken Seite wächst wie eine Medusa eine archaische Kreatur aus Schlangen, organischen Strukturen und einer aufgerissenen Fratze hervor. Das Material scheint zu leben, sich zu winden und den Körper zu überwuchern. Die Schlangen stehen dabei nicht ausschließlich für Bedrohung. Seit Jahrtausenden verkörpern sie ebenso Erneuerung, Weisheit und Transformation – sie häuten sich und werden dadurch zum Sinnbild der Veränderung.

Dem gegenüber steht eine fast ätherische Erscheinung. Die rechte Gesichtshälfte wirkt friedvoll und entrückt. Die Augen verweigern den Blick nach außen und richten die Aufmerksamkeit nach innen. Florale Elemente, fein gemalte blaue Ranken und plastisch modellierte Blüten durchbrechen die starre Oberfläche und lassen das Werk aufblühen. Hier entfaltet sich nicht bloß Schönheit, sondern die stille Kraft des Wachsens.

Bemerkenswert ist, dass beide Hälften nicht gegeneinander kämpfen. Sie sind untrennbar miteinander verbunden. Die Grenze verläuft zwar sichtbar durch das Gesicht, doch sie trennt nicht – sie verbindet. Bergemann formuliert damit eine zentrale Aussage: Das Licht existiert nicht ohne den Schatten.

Besonders eindrucksvoll ist Bergemanns Umgang mit Materialität. Die Skulptur löst sich von der Fläche und überschreitet die Grenzen zwischen Relief, Malerei und Objektkunst. Die plastischen Schlangen, die modellierten Blüten und die fein ausgearbeiteten Gesichtszüge erzeugen eine körperliche Präsenz, die den Betrachter unmittelbar in das Werk hineinzieht. Licht und Schatten werden Teil der Komposition und verändern die Wahrnehmung mit jedem Blickwinkel.

In ihrer Symbolik erinnert die Arbeit an antike Masken, mythologische Medusen und Naturgöttinnen gleichermaßen, ohne sich einer konkreten Erzählung zu unterwerfen. Vielmehr schafft Nadin Bergemann eine zeitlose Allegorie auf den inneren Wandlungsprozess. Die eigentliche Metamorphose findet nicht vor den Augen des Betrachters statt, sondern in dessen eigener Wahrnehmung.

Diese Skulptur fordert dazu auf, die vermeintlichen Gegensätze im Menschen neu zu betrachten. Sie fragt nicht, welche Seite die richtige ist, sondern ob Heilung vielleicht genau dort beginnt, wo wir aufhören, unsere Widersprüche voneinander zu trennen.

Nadin Bergemann gelingt mit dieser Skulptur eine eindrucksvolle bildhauerische Metapher für den Menschen selbst – ein Wesen, das sich ständig zwischen Chaos und Harmonie bewegt und dessen wahre Identität nicht in der Entscheidung für eine Seite liegt, sondern im Mut, beide auszuhalten. „Die Zerrissene“ wird so zu einem Sinnbild der menschlichen Existenz: perfekt unperfekt, widersprüchlich und gerade deshalb von berührender Schönheit

Das Auge des Drachen von Nadin Bergemann

Mit diesem Werk gelingt Nadin Bergemann weit mehr als die naturgetreue Darstellung eines Drachenauges. Es ist eine Einladung, den Blick zu erwidern – nicht auf ein Fabelwesen, sondern auf eine uralte Kraft, die zwischen Mythos, Natur und innerer Wahrnehmung existiert.

Im Zentrum steht die irisierende Iris, deren feine Strukturen an Flussläufe, Eisschollen oder Luftaufnahmen einer unbekannten Landschaft erinnern. Das Auge wird zum Mikrokosmos: Was zunächst wie Schuppen oder Pigmente erscheint, entfaltet sich als organisches Universum. Bergemann spielt bewusst mit dieser Ambivalenz. Das Auge ist zugleich Organ und Landschaft, Oberfläche und Tiefe, Gegenwart und Erinnerung.

Der Kontrast zwischen dem nahezu samtschwarzen Umfeld und den leuchtenden Türkis-, Grün- und Weißtönen erzeugt eine beinahe sakrale Lichtwirkung. Das Licht scheint nicht auf das Auge zu fallen – es entsteht aus seinem Inneren. Dadurch erhält das Motiv eine spirituelle Dimension: Der Drache erscheint nicht als bedrohliches Wesen, sondern als uralter Hüter von Wissen, Wandlung und Weisheit.

Bemerkenswert ist die malerische Präzision, mit der Fell, Schuppen und Lichtreflexe ausgearbeitet wurden. Die fein gesetzten Haare und die plastische Oberfläche verleihen dem Bild eine fast greifbare Körperlichkeit, während die irisierenden Strukturen der Iris bewusst ins Traumhafte kippen. Genau in diesem Spannungsfeld zwischen realistischer Technik und imaginärer Bildsprache entfaltet das Werk seine besondere Kraft.

Der Blick des Drachen richtet sich nicht aggressiv nach außen. Er beobachtet still, aufmerksam und beinahe gelassen. Dadurch entsteht ein ungewöhnlicher Dialog zwischen Werk und Betrachter. Man fühlt sich nicht bedroht, sondern erkannt. Das Gemälde stellt die unausweichliche Frage: Wer betrachtet hier eigentlich wen?

Nadin Bergemann erschafft mit diesem Bild keinen Drachen im klassischen Sinne, sondern ein Sinnbild für das Ungezähmte in uns selbst – jene ursprüngliche Energie, die Intuition, Schutz und Transformation miteinander verbindet. Das Auge wird zum Spiegel der eigenen inneren Landschaft und erinnert daran, dass die größten Geheimnisse oft nicht in der Ferne liegen, sondern in der Tiefe des eigenen Blicks.

Ein Werk, das den Mythos des Drachen nicht erzählt, sondern ihn lebendig werden lässt – still, würdevoll und von außergewöhnlicher Präsenz