
Autodidakt – Ein Weg ohne Vorgaben
Von Anfang an war es mir wichtig, meinen eigenen Weg zu gehen. Schon in der Mittelschule wollte ich nicht lernen, wie man angeblich „richtig“ malt. Dabei war ich vermutlich der beste Malschüler der Klasse – zumindest, wenn man nach handwerklichem Können gegangen wäre. Trotzdem bekam ausgerechnet ich immer die schlechtesten Noten. Diejenigen, die aus Sicht des Lehrers alles richtig machten, hatten einen Einser, und ich? Tja.
Schon damals wollte ich keine fremde Stilrichtung übernehmen, keinem Meister nacheifern und mich nicht von Lehrmeinungen oder künstlerischen Regeln einengen lassen. Mich interessierte nicht, wie Kunst aussehen sollte – ich wollte mehr herausfinden, wie meine Kunst aussieht. Mein Wunsch war es, den Ursprung meiner eigenen Bildsprache zu finden: unverfälscht, roh und frei von äußeren Einflüssen.
Das führte regelmäßig zu Diskussionen mit meinem Lehrer. Hinzu kam, dass ich schon damals kaum ein Bild zum Abgabetermin fertig bekam. Irgendetwas entwickelte sich immer weiter, wollte noch wachsen, noch einen Schritt gehen. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert – nur dass inzwischen niemand mehr mit dem Notenbuch hinter mir steht und der Termindruck verschwunden ist.
Das Einzige, was ich jemals in dieser Richtung besucht habe, war ein Airbrush-Kurs im Alter von 18 Jahren. Damals war es weniger die Kunst als vielmehr die Technik, die mich faszinierte. Airbrush war die einzige Methode, die ich mir nicht allein und nach ein paar Monaten Experimentieren im Keller zufriedenstellend beibringen konnte.
Ironischerweise gebe ich heute seit über 20 Jahren selbst Airbrush-Kurse. Doch inzwischen spüre ich, dass sich etwas verändert hat. Nicht unbedingt die Technik – sondern die Menschen. Die jungen Workshop-Teilnehmer kommen heute oft mit anderen Erwartungen, einer anderen Haltung und einem anderen Blick auf Kreativität als früher. Immer häufiger habe ich das Gefühl, ihnen nicht mehr das mitgeben zu können, was mir selbst einmal wichtig war.
Vielleicht ist es deshalb an der Zeit, diesen Abschnitt langsam abzuschließen. Und so schließt sich auf seltsame Weise der Kreis zum jungen Christian, der schon damals lieber seinen eigenen Weg gesucht hat, als vorgegebenen Spuren zu folgen.
Doch weiter: Wenn ich malen will, dann nur aus mir selbst heraus. Das wars damals und das ist auch heute noch so.
Meine Bilder entstehen nicht nach Konzepten, Skizzen oder langfristigen Planungen. Sie entstehen auch nicht mit dem Ziel zu gefallen oder Erwartungen zu erfüllen. Ich setze mich nicht vor eine Leinwand, um etwas Bestimmtes darzustellen. Vielmehr versuche ich, Raum zu schaffen für etwas, das bereits vorhanden ist und durch mich sichtbar werden möchte.
Während des Malens denke ich möglichst wenig nach. Ich folge keinem Plan und keiner Idee. Es ist eher ein Empfangen als ein Erschaffen. Farben, Formen und Strukturen entwickeln sich aus dem Moment heraus. Oft weiß ich selbst nicht, wohin mich ein Bild führen wird. Es ist so spannend…
Vielleicht sind meine Werke deshalb für viele zu chaotisch, für andere aber schon mehr organisch oder gar spirituell. Für mich sind sie Ausdruck einer ursprünglichen Kraft, die jenseits von Konzepten liegt. Sie entstehen aus der Stille, aus dem Unbekannten, aus jener Leerheit, aus der alles hervorgeht und in die alles wieder zurückkehrt.
Ich verstehe mich dabei nicht als jemand, der Bilder macht, sondern eher als Medium, durch das Bilder erscheinen dürfen.
Gerade weil meine Kunst keinen Regeln folgt, kann sie mich immer wieder überraschen. Jedes Werk ist eine Entdeckung, ein Dialog mit dem Unbekannten und ein Versuch, etwas sichtbar zu machen, das sich nicht in Worte fassen lässt.
So entstehen meine Bilder: ungeplant, unbeeinflusst und frei. Und werden wohl auch niemals wirklich fertig!
